FR 28.01.2008
Frankfurter Rundschau 28.1.2008
Demo endet im Tumult
Kritik an Polizei nach 208 Festnahmen
VON GEORG LEPPERT
Am Tag nach den großen Tumulten ist Detlef zum Winkel immer noch aufgebracht. Wie die Polizei am Samstagabend seine 17-jährige Tochter behandelt habe, sei vollkommen unangemessen gewesen. Sie sei festgenommen worden, obwohl sie friedlich gegen Studiengebühren demonstrieren wollte, und auf dem Polizeipräsidium sei ihr erst recht übel mitgespielt worden. “Sie musste sich ausziehen und wie eine Verbrecherin behandeln lassen”, schimpft zum Winkel. Er ist nicht der Einzige, der am Sonntag den Polizeieinsatz scharf kritisiert.
208 Festnahmen wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung, fünf verletzte Polizisten, mehrere beschädigte Streifenwagen, einige Dutzend zerstörte Mülltonnen und eine Vielzahl abgerissener Wahlplakate: Das ist – laut Polizeibericht – die Bilanz einer Demonstration gegen Studiengebühren, die am Samstag mit Randale endete.
Bis etwa 17 Uhr hatten mehrere hundert Studenten – die Polizei spricht von 450, der Asta der Goethe-Uni von knapp 1000 Teilnehmern – friedlich demonstriert. Was dann passierte, schildert die Polizei so: Nach Kundgebungen am Opernplatz und am Willy-Brandt-Platz formiert sich ein Aufzug von etwa 350 Demonstranten, verlässt die angemeldete Demonstrationsroute und rennt in Richtung Mainzer Landstraße. Die Studenten – einige von ihnen sind vermummt – skandieren “Autobahn, Autobahn”.
Auf der Mainzer Landstraße sollen die Demonstranten gestoppt werden. Doch die Studenten überrennen die Polizeikette. Nun erklärt der Einsatzleiter die Demonstration für aufgelöst. Statt weiter in Richtung Autobahn zu rennen, ziehen die Studenten ins Westend. Sie zünden Mülltonnen an, bauen Barrikaden aus Blumenkübeln auf und treten sämtliche Wahlplakate um, auf denen Ministerpräsident Roland Koch zu sehen ist. Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Beamten setzen Schlagstöcke ein.
Das Katz-und-Maus-Spiel endet im Bahnhofsviertel. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein und bringt sie alle ins Präsidium – manche werden sogar mit der U-Bahn abtransportiert.